England

Whisky aus England

Man könnte meinen, die Engländer wollen es gar nicht erst mit ihren Nachbarn, den Schotten - die ja immerhin Weltmarkführer in der Whiskyindustrie sind - aufnehmen. Außerdem haben die Briten ihre ganz eigene, traditionelle Spirituosenkategorie - den Gin. Doch neuerdings tauchen auf der Karte immer mehr englische Whiskybrennereien auf. Die erste von ihnen erschien nach der Jahrtausendwende. Davor hatte es seit dem späten 19. Jahrhundert keinen Single Malt aus England mehr gegeben. Die Produktion von Whisky in England hatte aber auch damals nie das Niveau der Schotten erreicht: Lediglich vier historische Whiskybrennereien - zwei davon reine Grain Whisky-Brennereien - bestanden in Liverpool, Bristol sowie London fort. Als die Lea Valley Distillery 1903 als letzte ihrer Art die Pforten schloss, war es über ein Jahrhundert lang still. Das gab den Schotten reichlich Zeit, um sich in Sicherheit zu wähnen. Doch irgendwann musste es ja so kommen: Im Jahr 2006 ließ die neu erbaute St. George's Distillery von der English Whisky Company ihre Brennblasen heiß laufen und brachte 2009 den Chapter 6 Whisky auf den Markt - ein riesiger Meilenstein in der Geschichte des englischen Whiskys! Innerhalb von nur wenigen Jahren eröffneten zahlreiche weitere Betriebe, sodass es nun schon über 24 Brennereien gibt. In jeder der neun Regionen Englands wird heutzutage Whisky destilliert. Bekannte Namen sind die Cotswolds Distillery, die Dartmoor Distillery, die Lakes Distillery, die Forest Distillery, die Spirit of Yorkshire Distillery usw. Daneben gibt es auch Gin-Brennereien, die vereinzelte Whiskys in ihr Portfolio aufgenommen haben, sowie hochrangige Abfüller wie Berry Bros. & Rudd, die ihren Sitz in England haben, jedoch ausschließlich schottischen Whisky zum Abfüllen heranziehen. Eins steht fest: Die Geschichte von englischem Whisky wird gerade erst geschrieben. Da viele Brennereien noch nicht lange bestehen, gibt es aktuell nur wenige britische Single Malts zum Verkosten. Wer auf Altersangaben achtet, hat es bei der Suche noch schwieriger. Denn bis die englischen Produzenten mit hochpreisigen, 40-jährigen Abfüllungen um sich werfen können, werden noch einige Winter ins Land streichen.